Ich bin nicht als Urlauber sondern als Student für ein Praktikum nach Galåbodarna gekommen. Dies war im Sommer 2007. Ich hatte bereits ein Jahr in Schweden studiert (in Linköping) und wollte unbedingt wieder kommen, vor allem in die Berge, die ich damals nur kurz kennengelernt hatte. Die Anzeige für das Praktikum, die Christoph geschrieben hatte, traf genau was ich wollte. Raus aus den staubigen Hörsälen, wo mir das stundenlange Zuhören und Stillsitzen schwer fiel und in tiefen Wäldern und Bergen praktische Arbeit machen.
Ich kam Mitte April, Östersund war schneefrei, aber hier oben lag noch genug für eine erste Erkundung mit Skiern. So wurde mein erster Tag hier, gemeinsam mit Christoph und der Hündin Tosca ein erster aufregender Erkundungstag. Wir wollten “nur 2-3 km” Ski fahren, eben Richtung Arådalen. Aber wann sind 2-3 km vorbei? Hier in dieser endlos scheinenden Landschaft. Es gibt kaum
Wegmarken und so konnte ich nicht einfach hier oder da umkehren. Irgendwann meinte Christoph jetzt wären es ja nur noch 2-3 km bis Arådalen und so sind wir weiter. Wir hatten so eine lange Tour nicht geplant und nur eine halbe Flasche Wasser und eine halbe Tafel Schokolade dabei. Aber die Sonne schien, Tosca tollte durch den tiefen Schnee und ich wußte, das hier ist der richtige Ort für ein Praktikum. Gleich in den nächsten Tagen begann ich mit praktischer Arbeit, fräste Hinweisschilder für “Reception”, “Camping” hier und “Hütten” dort. Für andere Aufgaben saß ich am Computer, aber jeden Tag war Zeit für einen kleinen Ausflug oder Arbeit draußen in Sonnenschein und Waldesstille. Ich merkte wie angenehm es ist jeden Morgen in einer Blockhütte zu erwachen, einfach wie Urlaub. Es gab so viele schöne Momente, die ich im Stadtleben vermisse. Auch wenn es “Arbeit” ist, aber wenn man 1-2 Stunden Holz stapelt, hat man Zeit zu träumen, spürt den Wind, der um die Hütten und durch die Bäume streicht, hört nur ab und zu ein Auto und stattdessen die vielen Vogelstimmen, die einem sonst kaum auffallen. Als ich kam gab es noch keine Grillhütte, so dass wir unter freiem Himmel grillten. Egal wo, genau diese Erzählabende sind Entspannung und Urlaubsgefühl pur. Vielleicht weil sie an die Kindheit erinnern, wenn man in Ferienlagern rund um ein Lagerfeuer saß. 


Ich habe viel unternommen während dieser zwei Sommer. Eine meiner Aufgaben wurde es die gesamten Wanderwege in der näheren Umgebung zu erkunden, mit GPS aufzuzeichnen, die Daten aufzubereiten, die Wege zu beschreiben und mit Bildern zu gestalten. Ich habe dies als Teil meiner Diplomarbeit im Sommer 2008 umgesetzt. Eine weitere Aufgabe war es einen Naturstig anzulegen. Eine interessante Aufgabe, denn ich habe von der Planung über die Ausführung bis zur Markierung und Aufzeichnung alles selbst machen dürfen. Christoph und Miriam waren bei all dem eine große Hilfe.
Als ich für zwei Wochen für eine Exkursion meines Studium aus dieser Idylle hier zurück in die Großstädte Europas musste, fiel mir die Umstellung unglaublich schwer. Man gewöhnt sich sehr gut an die Ruhe, den eigenen Rhythmus, den stillen Wald ringsum und die weite Aussicht, wenn man in den Bergen ist. Dazu kommt, dass die Blockhütten allen erdenklichen Luxus bieten, so dass man sich während jedes frösteligen Rückweges einer Wanderung auf jeden Fall auf eine Tasse Tee oder heiße Schokolade vorm brasselnden Kamin freuen kann.
Eigentlich war ich nicht den “Sommer” über hier, sondern vom letzten bis zum ersten Schnee, also von Mitte April bis Mitte September. Den Wechsel der Jahreszeiten zu sehen, war beeindruckend. Ich habe oft fotografiert, vor allem immer wieder den Ausblick von Galåbodarna zum Oviksfjällen. So wird der Wechsel im Nachhinein noch deutlicher. Aber neben der Landschaft, den verschiedenen kleinen Blumen und Beeren, die nach und nach hervorkommen, ist es ja vor allem das Licht beziehungsweise die Tageslänge, die sich so deutlich ändert. Ein Tipp für alle Reisenden – macht Ausflüge zu ungewöhnlichen Tages- und Nachtzeiten. Zwei Ausflüge, die ich sehr gut in Erinnerung habe, waren einmal eine einsame Mitternachtswanderung Anfang Juli, begonnen gegen 23 Uhr, hoch in das Oviksjfällen. Die Landschaft war in ein seltsam klares Dämmerlicht getaucht, im Norden leuchtete der Himmel rötlich.
Alles ringsum schlief und es war ein ganz neues Gefühl durch die Berge zu laufen. Eine unvergessliche Erfahrung. An einem Morgen im September war ich sehr früh wach und lief zum nahegelegenen kleinen Bergsee, dem Gråhögtjärnan. Alles lag von Reif bedeckt, während langsam die Sonne über den Horizont kam. Da der Boden bereits teilweise gefroren war, konnte ich den See umrunden und war genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort als die Sonne über die Baumgipfel am anderen Seeufer stieg.
Ich habe unglaublich viel von Christoph und Miriam gelernt, die unermüdlich weiter an ihrem Traum bauen). Es ist für mich mehr als nur beeindruckend bei jedem neuen Besuch hier zu sehen, was mit ihrer Hände Arbeit wieder neues erbaut wurde.
Ich wünsche euch nie endende Träume und die Kraft eines Tages Berge zu versetzen. (…damit man den Hundshögen auch direkt von hier aus sehen kann
)
/Sieglinde





















